SAP nutzt die Cloud-Technologie, um Kunden innerhalb kürzester Zeit vorkonfigurierte Softwarelösungen zu Test-, Evaluations- oder Schulungszwecken für einen flexiblen Zeitraum verfügbar zu machen. Aufbauzeiten für Software-Umgebungen reduzieren sich so von Monaten auf Stunden. Das Produkt heißt SAP Cloud Appliance Library und ist seit Dezember 2012 verfügbar.

Folgende Situation dürfte in IT-Ab­tei­­lun­gen wohlbekannt sein: Aus der Fachab­tei­­lung kommt die Anforderung: Wir würden gerne einen neuen Funktionsbaustein z.B. im CRM ausprobieren, der in unserem Release nicht drin ist. Er könnte uns bei einer Marketingkampagne oder bei einer bestimmten Kundensituation helfen. Sicher sind wir jedoch nicht. Wir möchten uns das Ganze nur mal anschauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Liebe IT-Abteilung, baut uns doch bitte mal eben ein Testsystem auf. Nichts leichter als das, meint die IT. Gäbe es nicht eine entscheidende Einschränkung bei dieser ganzen Angelegenheit. Schnell bedeutet in diesem Zusammenhang oftmals zwei bis vier Monate, wenn alles reibungslos läuft.

Von Wochen zu Stunden

Die initialen Aufbauzeiten zu Testzwe­cken sind für kurzfristige Aktionen einfach zu lang und der Aufwand zu groß. Kein Wunder, wenn man analysiert, wofür die Zeiten bei ei­ner klassischen Software-Installation anfallen.

    •    saubere Planung

    •    Hardware beschaffen und Betriebs­systemumgebung installieren, das Ganze konfigurieren

    •    die Datenbank aufbauen

    •    die SAP-Software einspielen

    •    Systeme vorbereiten und konfigurieren

Das alles erfordert Wochen bzw. oft auch Monate: „Die Idee war, diesen Aufwand auf Minuten oder Stunden zu reduzieren“, er­klärt Markus Winter, Chief Product Owner Virtualization & Cloud Management bei der SAP AG. „Deshalb haben wir eine Software gebaut, die den Namen SAP Cloud Appliance Library (CAL) trägt. Es handelt sich um ein g On-Demand-Angebot. Die Software läuft bei uns im Rechenzentrum in der SAP Cloud und verwaltet eine Bibliothek mit vorkonfigurier­ten SAP-Systemen, auch Virtual Software Appliances genannt.“ Der Kunde muss sich nur noch entscheiden, welche Software er ausprobieren möchte. Und das ist genau der Vorteil. Um diesen zu verdeutlichen, zieht Mar­kus Winter das Beispiel eines schwedi­schen Möbelherstellers zurate: In der Vergangenheit hat SAP Bausteine ausgeliefert, die die Kunden erst auspacken und selbst zu einem Regal zusammenschrauben mussten. Heute wird das fertige Regal inklusive Bü­chern direkt ins Wohnzimmer gestellt. Der Kunde muss nur noch die Einrichtung komplettieren und sie an seine Bedürfnisse anpassen.

Übertragen auf die SAP-Welt bedeutet das: Über die Cloud stellt SAP ein vorkonfigurier­tes System zur Verfügung. Kunden haben in dieser Infrastruktur-Cloud, die von einem Provider zur Verfügung gestellt wird, einen individuellen Bereich. Von SAP erhält der Kunde einen eigenen Zugang zur Cloud Appliance Library und kann sich damit den Katalog mit vorkonfigurierten Software­lö­sun­­gen anschauen. Sobald der Anwender eine Lösung ausgewählt hat, baut SAP alles mit dem lauffähigen Betriebssystem, das der Pro­vider bereitstellt, zusammen. Der Kunde kann loslegen. Mit wenigen Klicks.

Markus Winter, SAP AG

Kosten und Lizenzierung

Ausgeliehen wird die Software samt Umgebung in der Cloud Appliance Library. Hinzu kommen die Abrechnungskosten des Cloud-Providers. Diese richten sich nach dem jeweiligen Anbieter. Amazon Web Services etwa rechnet pro Stunde konsumierter Rechenleistung und konsumiertem Daten­vo­lu­men ab. Als zweites Kostenelement kommt die Nutzung der SAP-Software selbst hinzu. An dem bestehenden Lizenzmodell für SAP-Software ändert sich nichts. Die Cloud Appliance Library ist lediglich ein neuer Auslieferungskanal. Dies bedeutet für Kunden, dass sie bestehende SAP-Softwarelizenzen auch für Systeme, die auf diesem Wege erstellt wurden, nutzen oder eine Test-Lizenz beantragen können. Der Zugang zur Cloud Appliance Library ist kostenfrei. Kunden kön­nen eine 30-tägige Testversion mit einer Lö­sung in Form einer Virtual Appliance kos­tenfrei nutzen. Last but not least fällt für die schnelle Bereitstellung und das Zusammenbauen der ausgewählten Lösung eine entsprechende Nutzungsgebühr an.

Produkt SAP Cloud Appliance Library bietet SAP-Kunden und Partnern Zugang zu einer Bibliothek, die vorkonfigurierte SAP Virtual Software Appliances (z.B. SAP NetWeaver 7.3) vorhält

Wie kommt man ins System?

Ein Einstiegspunkt zur SAP Cloud ­Appliance Library ist der SAP Store unter https://store.sap.com/. Sobald man „Cloud Library“ in die Suchmaske eingegeben hat, zeigt sich der Eintrag für den kostenlosen Zugang zur SAP Cloud Appliance Library und darin verlinkt ein Angebot auf eine 30-tägige Testversion einer Virtual Appliance. Eine Übersicht mit wei­te­ren aktuell verfügbaren Lösungen befindet sich ebenfalls dort. Diese wird ständig erweitert. Derzeit gibt es klassische ERP-Produkte, Industrie­lö­sun­gen, aber auch neue Produkte wie SAP HANA und vieles mehr zur Auswahl. Weiter geht’s: Gewünschte Lösung aussuchen und Cloud-Provider eintragen (Stand: Mitte April: nur Amazon Web Services – weitere werden folgen). Mit wenigen Klicks baut man sich dann eine Umgebung auf. Wichtig ist, die Re­gion auszuwählen, in der die Daten liegen. Das spielt deshalb eine wichtige Rolle, weil Kunden gesetzliche Anforderungen haben, die besagen, dass die Daten nicht in jedem Land liegen dürfen. Wer seine Lösung in einer anderen angebotenen Region betrieben haben muss, kann ein Support Ticket innerhalb der SAP Cloud Appliance Library öffnen (BC-VCM-CAL). Anschließend wählt man aus, ob die Daten in einer Public Cloud oder in einer Private Cloud liegen sollen. Der Kunde hat im zweiten Fall eine gesicherte VPN-Verbindung zwischen dem Bereich in der Amazon-Cloud und seinem Bereich im Rechenzentrum hergestellt. Dann lassen sich noch verschiedene Einstellungen bezüglich Größe des Systems, Passwort etc. vornehmen. Praktisch ist die Hoch­rechnung der Kosten am Ende dieses Prozedere. So zeigt das System ge­nau an, welcher finanzielle Aufwand für wel­chen Zeitraum anfällt. Volle Transparenz.

Im Hintergrund startet nun ein Prozess, in dem SAP die gewünschte Software inklusive Umgebung in den Account des Kunden beim Cloud-Provider ausliefert. Je nach Sys­temgröße kann das zwischen 20 Minuten und drei Stunden dauern. Im einfachsten Fall können Kunden innerhalb eines halben Ta­ges mit dem Test von bestimmten Programmen beginnen. Die Dauer hängt von der Komple­xität der gewünschten Software ab. So können sich Kunden mit der eigentlichen Tätigkeit – der Evaluation der Software – beschäf­tigen und müssen nicht wertvolle Zeit für den Aufbau der Umgebung verschwenden. Eine Einschränkung gilt jedoch: „In der ers­ten Phase unterstützen wir mit unserem Pro­dukt noch keine Produktivnutzung. Erst müssen Erfahrungswerte gesammelt wer­den“, ergänzt Markus Winter.

Um sich aber beispielsweise mit einer neuen Software zu beschäftigen, Anwendungsfälle zu testen, ein neues Add-on auszuprobieren oder eine Schulungsumgebung zur Verfügung zu stellen, ist die SAP Cloud Appliance Library genau die richtige Lösung. Sogar Zwischenstände können abgespeichert wer­den, was z.B. ideal für Trainings ist. Damit kann die IT-Abteilung ohne Wenn und Aber künftig Testumgebungen für die Fachab­tei­lung innerhalb kürzester Zeit und für einen begrenzten Zeithorizont aufbauen. Einfach mieten, so lautet die Devise.

Das Produkt SAP Cloud Appliance Library bietet SAP-Kunden und Partnern Zugang zu einer Bibliothek, die vorkonfigurierte SAP Virtual Software Appliances (z.B. SAP NetWeaver 7.3) vorhält.

Bildnachweis: Header istockphoto, Grafik: SAP, Bild: SAP


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