Bevor frische Ananas, Mango und Melone auf unseren Tellern landen, haben sie eine lange Reise hinter sich. Diesen Weg begleitet der Hamburger Obst- und Gemüse-Importeur Hars & Hagebauer vom Anbau bis in die Regale des Lebensmitteleinzelhandels. Um globale Lieferketten, Bedarfe und neue Entwicklungen noch besser und schneller managen und anpassen zu können, hat das Unternehmen 2020 seine SAP Enter­prise-Resource-Planning (ERP)-Lösung erfolgreich in Microsofts Cloud-Plattform Azure migriert und im gleichen Zug das Upgrade auf SAP ERP 6.0 Enhancement Package 8 (EHP 8) erledigt – schnell und unkompliziert.

Wenn die Corona-Pandemie eines gezeigt hat, dann, dass der deutsche Lebensmittelhandel reibungslos und zuverlässig funktioniert – selbst in Ausnahmesituationen mit teils geschlossenen Grenzen und gestörten Lieferketten. Die Regale und Frischetheken in Supermärkten und Discountern waren und sind nach wie vor gut gefüllt, und bis auf die berühmten temporären Ausreißer wie Mehl, Toast und Toilettenpapier haben Kunden die Qual der Wahl.

Sorten und Produkte ständig weiter entwickeln

Bunte und gut bestückte Obst- und Gemüseabteilungen sind auch der 1882 gegründeten Hars & Hagebauer GmbH zu verdanken, die Früchte sowie Gemüse aus aller Welt importiert und zum Kunden transportiert. Aktiv sind deren Mitarbeiter aber schon lange, bevor die Mango in unserem Einkaufskorb landet. „Wir sind stets in einem intensiven Austausch mit unseren Erzeugern, mit manchen bereits seit Jahrzehnten. Unsere Produkte stammen ausschließlich aus zertifiziertem Anbau. Absolute Frische, sorgfältige Sortenauswahl, Geschmack, Homogenität und minimale Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind für uns selbstverständlich“, erklärt Philip Fischer, Geschäftsführer beim Lebensmittelimporteur in der Hansestadt.

Pandemie hat vielfältigen Einfluss

Wie stark die Mitarbeitenden insbesondere seit Beginn von Corona bei ihrer täglichen Arbeit auf die IT-Infrastruktur angewiesen sind, erläutert der Branchenkenner: „In der Lebensmittelbranche haben wir immer ein Restrisiko, ob die Ware bzw. die gesamte Lieferkette und Logistik dahinter reibungslos funktionieren. Aufgrund von COVID-19 hat sich das nun natürlich weiter verschärft, z. B. sind bei den Zulieferern nicht mehr alle Kapazitäten verfügbar, oder unsere Daten über die jüngste Absatzentwicklung sind nicht mehr gültig, etwa aufgrund der plötzlich sehr beliebten Zitrusfrüchte während der ersten Welle. Das bedeutet für uns, wir müssen unsere Bedarfe Tag für Tag neu planen.“

Beim Hamburger Familienunternehmen dreht sich alles um die Beschaffung und Logistik von Früchten und Gemüse: Das Vollsortiment reicht dabei vom Apfel bis zur exotischen Mango.
Abhängig von Einfuhren

Dass alles reibungslos laufen muss, hat handfeste Gründe: Die Deutschen kaufen immer mehr frisches Obst und Gemüse – und sind gleichzeitig stark auf den Import angewiesen, schließlich kommen 80 Prozent des Obstes und 60 Prozent des Gemüses aus anderen Ländern, vor allem aus Spanien. Der Bedarf wächst seit Corona, denn nun achten viele Menschen verstärkt auf frischere und gesündere Nahrungsmittel und kaufen grundsätzlich größere Mengen, da Restaurants und Kantinen geschlossen sind und mehr daheim gekocht wird. „Umso wichtiger ist für uns eine IT-gestützte verlässliche Planung und Abwicklung von Einkauf, Transport, Qualitätskontrolle und Auslieferung an die Kunden“, betont Philip Fischer.

„Wir haben zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Indem wir die Migration in die Cloud mit dem Upgrade auf EHP 8 kombinierten, haben wir uns einen riesigen, weiteren Testaufwand und damit sowohl Geld als auch insbesondere Zeit gespart.“
Philip Fischer
Geschäftsführer Hars & Hagebauer GmbH
Outsourcing begann bereits vor 16 Jahren

IT-seitig setzen die Hamburger dafür seit 2000 auf SAP Enterprise Resource Planning (ERP) und im Speziellen auf die Module Sales and Distribution (SD), Material Management (MM) und Finance/Controlling (FI/CO). Dabei ist der Weg in die Cloud für sie kein unbekannter: „Wir haben bereits vor 15 Jahren die Entscheidung getroffen, keine eigenen Server mehr zu betreiben, und unsere IT-Infrastruktur in ein externes Rechenzentrum migriert. Den Weg nun zu Ende zu gehen, also in die Cloud zu wechseln, ist nur die logische Konsequenz“, ist der CEO überzeugt. Und die bringt viele Vorteile mit sich: Schließlich bietet die Cloud-Option eines Hyperscaler, also einem der drei großen Cloud-Anbieter, nicht nur mehr Speicherkapazität und mehr Skalierbarkeit, sondern auch ein Plus an Sicherheit und Verfügbarkeit gegenüber den weiteren Wettbewerbern bzw. einer On-Premise-Lösung, „denn hinter Azure steht ein Unternehmen mit echten Profis“, ist sich Philip Fischer sicher.

Lückenlose Überwachung für 1A-Lebensmittel

Professionell muss es zugehen, denn der Lebensmitteleinzelhandel stellt hohe Anforderungen, die bezüglich der Pflanzenschutzmittelrückstände weit über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. „Diese Vorgaben müssen bereits beim Anbau Berücksichtigung finden, und im Rahmen des Rückstands-Monitoring werden sowohl unmittelbar vor der Ernte als auch bei Anlieferung in unseren Umschlaglägern Laboranalysen durchgeführt. So gewährleisten wir, dass nur gesundes und sicheres Obst und Gemüse auf den Tellern der Verbraucher landet“, sagt der CEO.

Hars & Hagebauer GmbH

Die Hars & Hagebauer GmbH mit 52 Mitarbeitenden wurde 1882 gegründet und ist die Zentrale der H&H Group. Sie hat langjährige Erfahrungen im Import und Handel mit Obst- und Gemüseproduzenten weltweit. Die Belieferung von nord- und ostdeutschen sowie skandinavischen Supermärkten und Discountern erfolgt über die Umschlagläger in Hamburg und Berlin. Weitere Niederlassungen befinden sich in Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Im Jahr 2020 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 120 Mio. Euro.

harshagebauer.de
Vorbauen für die Zukunft

Wichtig waren für Hars & Hagebauer auch die Zukunftsfähigkeit und der Innovationsgedanke der gewählten Cloud-Plattform. „Hier interessiert uns vor allem das Engagement im Blockchain-Umfeld“, sagt Geschäftsführer Fischer. „Konkret wäre es für uns extrem hilfreich, wenn wir mittels Blockchain auf Daten unserer Lieferanten direkt zugreifen könnten, um konkrete Kundenanfragen, z. B. zu aktuellen Zertifizierungen der Produzenten, Spritzplänen, Rückstandsanalysen und anderen anbaurelevanten Daten, schnell und vollständig beantworten zu können.“ Und das gelingt optimalerweise mit einem zeitnahen und unkomplizierten Zugriff auf die Daten von Herstellern und Produzenten, ohne diese Informationen selbst speichern oder pflegen zu müssen.

Stufenweise Migration als sicherster Weg

„Ende 2019 haben wir uns also für die Cloud-Plattform entschieden, im Frühjahr 2020 startete die Testphase, im Mai sind wir dann schon mit unseren 15 Anwendern und unterstützt von unserem langjährigen IT-Partner produktiv gegangen“, erzählt Philip Fischer. „Die Migration hat Schritt für Schritt stattgefunden. Wir sind zuerst in die Cloud migriert und haben dann das Upgrade auf SAP ERP 6.0 Enhancement Package 8 durchgeführt, um die Down-Zeiten möglichst gering zu halten, da wir unser System sechs Tage die Woche brauchen.“ Für den nächsten großen Schritt – die Migration auf SAP S/4HANA – wollen sich die Hamburger noch Zeit lassen. „Wir fahren nach wie vor am erfolgreichsten, wenn wir nicht gleich als erste Anwender auf neue Releases wechseln, sondern anderen Nutzern, auf gut Deutsch gesagt, hinterher marschieren. Das hat sich für uns bewährt und daher bleiben wir dabei“, sagt der Geschäftsführer und ergänzt: „Stand heute profitieren wir immens davon, sehr flexibel und kurzfristig Hardware-Ressourcen dazu nehmen zu können.“

Viele Vorteile liegen im Kleinen

Nach diesen ersten positiven Erlebnissen denkt Hars & Hagebauer aktuell über die nächsten Schritte in der Cloud nach. Denn nach wie vor laufen an zwei Standorten noch große eigene Server für Office-Anwendungen und weitere Tools wie E-Mail, Online-Banking oder auch die Personalverwaltung. „Der Plan wäre, diese Anwendungen ebenfalls in die Cloud zu stellen, damit wir alles sauber und einheitlich an einer Stelle haben“, verrät Philip Fischer. Die Electronic-Datachange-Interface (EDI)-Anbindung hat Hars & Hagebauer derzeit ebenfalls im Visier: „Für einen fest definierten und zuverlässigen Datenaustausch mit Kunden, also für Bestelleingang, Avisierung von Lieferungen oder Rechnungsversand, wäre die Cloud-Umgebung sicher extrem hilfreich“, fasst er zusammen.

Erst testen, dann machen

Kollegen mit ähnlichen Vorhaben kann er nur empfehlen, sich mittels einer temporären Hardware-Aufstockung in einer Testumgebung ganz genau anzusehen, wie bereits genutzte sowie neue Funktionalitäten laufen und wo es unter Umständen noch hakt. „Hört sich einfach an, aber selbst die Kommunikation mit Standard-Hardware wie Druckern, die jeder von uns täglich braucht, muss genau getestet und eingestellt werden, sonst hakt es am Ende bei den einfachsten Dingen.“

 

Bildnachweis: Daniella Winkler + iStock, Hars & Hagebauer GmbH

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ERP
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28.05.2021, 05:28 Uhr

Interessante Perspektive und konsequenter Weg in die Cloud.

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