Der Nutzfahrzeuge-Hersteller Schmitz Cargobull stellte seine komplette SAP-Landschaft in die Cloud. Dabei fiel die Wahl auf Microsoft Azure. Heraus kamen signifikante Einsparungen, weil der Rechenzentrumsbetrieb für die SAP-Systeme stillgelegt wurde und nicht in neue Hardware investiert werden musste.

Sattelauflieger (Trailer), Aufbauten und Lkw-Anhänger sind das Kerngeschäft des Transportlösungsanbieters Schmitz Cargobull. In Sachen SAP-Systeme sollte in Zukunft eine Cloud die Last der Prozesse tragen und aus einer heterogenen IT-Landschaft eine homogene machen. „Viele IT-Systeme liefen bisher in den Fachbereichen, wie dem Cargobull Repair Service (CRS) oder dem Bereich Telematik, und werden nun harmonisiert und standardisiert“, erzählt Michael Schöller, Head of IT Infrastruc­ture & Services bei Schmitz Cargobull.

Hauptabsatzmärkte für Fahrzeuge von Schmitz Cargobull sind alle europäischen Länder, einschließlich Zentral- und Osteuropa sowie der Nahe und Mittlere Osten und Australien.

Ein weiterer Knackpunkt für die Harmonisierung war das firmeneigene Rechenzentrum, das die künftigen Anforderungen an eine moderne Unternehmens-IT nicht mehr erfüllen konnte. Was lag also näher, als sich sowohl im On-Premise- als auch im Cloud-Bereich nach entsprechenden Alternativen für den Betrieb der kompletten SAP-Landschaft, u. a. mit den Komponenten Enterprise Resource Planning (ERP), Customer Relationship Management (CRM) und Solution Manager, umzusehen.

Schmitz Cargobull AG

Mit einer Jahresproduktion von ca. 63.500 Trailern und etwa 6.500 Mitarbeitenden ist Schmitz Cargobull Europas führender Hersteller von Sattelaufliegern, Trailern und Motorwagenaufbauten für temperierte Fracht, General Cargo sowie Schüttgüter. Im Geschäftsjahr 2018/19 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von ca. 2,29 Mrd. Euro.

cargobull.com/de

Flexibilität und Hochverfügbarkeit

Wichtig dabei war die Skalierbarkeit. „Wir wollten jederzeit entscheiden können, welche Systeme wir benötigen und wie lange wir sie benötigen, ohne eine Hardware kaufen zu müssen“, erläutert der IT-Experte des Nutzfahrzeuge-Herstellers. Es ging also um mehr Flexibilität, Hochverfügbarkeit und um Kosten.

Ist-Zustand überzeugt im Vergleich

Letztlich wurde entschieden, das ERP-, das Human Capital Management (HCM)- und das CRM-System mit rund 28 Servern als Managed Services in einer Microsoft Azure Cloud zu betreiben. Die Überzeugungsarbeit für diesen Schritt war beim Chief Financial Officer von Schmitz Cargobull mit den prognostizierten zehn Prozent Kostenersparnis schnell geleistet – in der Nachbetrachtung lag sie sogar bei 20 Prozent. Dann galt es, den Betriebsrat ins Boot zu holen, Stichwort Datenschutz. „Wir haben die Kollegen des Arbeitskreises EDV des Konzernbetriebsrats in ein Rechenzentrum von Microsoft eingeladen und ihnen unseren Ist-Zustand in Sachen Sicherheit und Performance im Vergleich zu dem bei Microsoft aufgezeigt. Danach haben die Betriebsräte die Notwendigkeit in die Cloud zu gehen erkannt“, fasst Michael Schöller zusammen.

Mit einer Jahresproduktion von ca. 63.500 Trailern und etwa 6.500 Mitarbeitenden ist Schmitz Cargobull Europas führender Hersteller von Sattelaufliegern, Trailern und Motorwagenaufbauten für temperierte Fracht, General Cargo sowie Schüttgüter.

Preis/Leistung hat gepasst

Das zweite Argument für Microsoft Azure war der Preis. Aber auch in puncto Virtualisierung und Flexibilisierung, um z. B. auch andere Systeme perspektivisch in die Cloud verschieben zu können, konnte Microsoft Azure überzeugen. „Native IoT-Services oder SQL-PaaS-Services sind Themen, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis und der Platform-as-a-Service-Ansatz für uns passten“, erläutert Michael Schöller. Durch den Managed-Service-Ansatz konnten zudem Wartungs- und Stromkosten von 20 Prozent eingespart werden.

So ganz ohne Kopfzerbrechen verlief das Projekt aber dann doch nicht. Die Themen Anbindung ans Oracle Business Warehouse und die Datenübertragung brachten Herausforderungen mit sich. Dadurch, dass immer direkt in einzelne Datensätze geschrieben wurde, kam es zu Latenzzeiten. Geplant war, SQL-Statements über das Netz zu versenden, was bei der großen Anzahl irgendwann schwierig wurde. „Es dauerte zwei bis drei Tage, bis das Problem gelöst werden konnte. Da stand die Ampel mal kurzzeitig auf Rot. Hätten wir das nicht geschafft, wäre das definitiv ein K.o.-Kriterium gewesen“, fasst Michael Schöller zusammen. Außerdem mussten extrem viele Schnittstellen aufwändig umgestellt werden.

Aspekte eines Cloud-Projekts, die es zu planen gilt

  • Wie groß muss die Datenbank sein?
  • In welcher Geschwindigkeit lässt sich das System in welcher Zeit migrieren?
  • Wie viel Downtime kann ich akzeptieren?
  • Wie viele Schnittstellen habe ich und wie migriere ich diese?
  • Wie teste ich bei einem Release auf ein neues System inklusive Datenbank?
  • Wie motiviere ich das Business, die Tests im entsprechenden Zeitfenster durchzuführen?

Keine Probleme mit der Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit in der Cloud sieht Michael Schöller positiv. „Seit wir live sind, hatten wir keine Störung. Es gibt zwar eine HANA-Datenbank-Replikation, die auch getestet wurde. Zum Einsatz kam sie jedoch noch nicht. Überhaupt kann ich der ‚Zusammenarbeit‘ von Mic­ro­soft Azure mit den SAP-Lösungen nur ein gutes Zeugnis ausstellen.“

Gleiches gilt für die Performance der SAP-Lösungen auf der neuen Plattform. „Wir erstellen heute Reports um den Faktor fünf bis zehn schneller als früher. Was also manchmal acht bis zwölf Stunden in Anspruch genommen hat, geht heute innerhalb von 20 bis 30 Minuten. Das ist eine signifikante Verbesserung“, ist Michael Schöller zufrieden. Alles in allem beziffert der Head of IT Infrastructure & Services die Einsparung an Investitionen durch den Transfer der SAP-Systeme in die Cloud mit 1,6 Mio. Euro. „Wir mussten unser Rechenzentrum nicht renovieren und keine HANA-Hardware kaufen“, zählt Michael Schöller die Einsparungen auf.

Die Reise geht weiter

Noch ist die Reise von Schmitz Cargobull in die Cloud nicht abgeschlossen. Bis Ende 2020 soll die gesamte Rechenzentrumsinfrastruktur übertragen sein. Von diesem Schritt verspricht sich Michael Schöller weitere Kosteneinsparungen von 30 Prozent. Für den Transfer der Systeme wurde eine Virtualisierungs-Software (VM) mit der Cloud gekoppelt. Damit lässt sich analysieren, wie viele Ressourcen benötigt werden und welche Bereiche Microsoft Azure für die Migration vorschlägt. „Dem folgen wir in der Regel auch und schieben die entsprechenden Themen in die Cloud. Dort testen wir dann für ein bis zwei Monate Performance, Stabilität und Funktionalität. Ist alles stabil und funktioniert, geht es in den Live-Betrieb“, erzählt Michael Schöller und ergänzt: „Viele Services und Applikationen laufen noch im Rechenzentrumsbetrieb. Sie werden nach und nach ebenfalls integriert, was sicherlich weitere 18 Monate dauern wird.“

Schmitz Cargobull Fahrzeuge werden weltweit in neun Werken mit modernen Produktionsanlagen hergestellt.

Totale Fokussierung und externes Cloud-Know-how

Der erste Teil des Projekts wurde zwar in Rekordzeit abgeschlossen, daraus aber konkrete Empfehlungen für Unternehmen abzuleiten, die Ähnliches planen, fällt dem Head of IT Infrastructure & Services schwer: „Jedes Projekt ist erstmal anders. Aber für alle dürften zwei wichtige Punkte gelten: Zum einen die totale Fokussierung auf das Projekt und zum anderen internes und externes Cloud-Know-how.“ Es braucht die Unterstützung der Führungsetage, von wo aus das Projekt getrieben werden muss. Und es braucht saubere Projekt- und Cut-over-Pläne, denn das Thema an sich ist schon komplex. „Einfach zu sagen, ich schiebe heute etwas in die Cloud, wäre sehr naiv. Wir haben letztes Jahr mit Office 365 angefangen, dann die ersten Services verschoben und nachdem alles gut funktionierte, haben wir uns um das Thema SAP gekümmert. Also unsere Erfahrungen gesammelt und intern die notwendige Affinität entwickelt“, beschreibt Michael Schöller seinen Erfolgsweg.

Auf einer der ersten Etappen wurde Schmitz Cargobull auch ein Stück weit von der DSAG begleitet. „Wir haben uns auf den Technologietagen 2018 ausführlich über das Thema Cloud informiert, mit Kollegen ausgetauscht und letztlich sogar unseren Dienstleister für das Projekt gefunden“, erinnert sich Michael Schöller. Offensichtlich ein gutes Omen.

 

Bildnachweis: Schmitz Cargobull AG


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