Im Jahr 2017 schwankte der Frauenanteil im reinen Maschinenbau zwischen 0 und 5,8 Prozent. Der heutigen Zeit ein paar Jahrzehnte voraus war Barbara Schmücking, ISH-Beauftragte bei der Gesundheit Nord gGmbH in Bremen, und studierte Maschinenbau-Ingenieurin mit Diplom (TU). Heute arbeitet sie in der Abteilung Leistungs- und Budgetmanagement der Gesundheit Nord gGmbH im Klinikverbund Bremen und hat viel Erfahrung in einem was man selbst heute noch viel zu oft „typischen Männerberuf“ nennt.

Warum haben Sie sich Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre entschieden, einen eher „männertypischen“ Beruf zu ergreifen?

Ehrlich gesagt habe ich damals wie auch heute nicht in dieser Schublade gedacht. Für mich war klar, ich werde Ingenieurin für Maschinenbau, und das habe ich dann auch getan. Erst via Fernstudium in Dresden und dann später vor Ort in Magdeburg.

Was ist Ihnen aus der Zeit Ihres Studiums ganz besonders im Gedächtnis geblieben?

Von 17 Leuten, die das Universitätsstudium begannen, haben es vier abgeschlossen. Und ich war eine von ihnen. An der Uni waren damals etwa zehn Prozent Frauen in diesem Studiengang, und leider hat sich daran bis heute nicht viel geändert: Laut aktuellen Studien liegt der Anteil in reinen Maschinen- und Anlagenbau (MAB)-Studiengängen derzeit in einem niedrigen einprozentigen Bereich. Anders sieht es glücklicherweise in der IT aus: Hier haben wir einen Frauenanteil von knapp 30 Prozent. (Anm. d. Redaktion: Quelle: http://www.gffz.de/gendermonitor/frauenanteil-im-bachelor/bachelor-studiengaenge-geordnet-­nach-der-hoehe-des-frauenanteils/; letzter Zugriff: 27.10.2018)

Länder mit dem größten Frauenanteil in der IT-Branche
Quelle: https://de.statista.com/infografik/13283/frauen-in-der-tech-branche/; letzter Zugriff: 04.11.2018

Wenn Sie zum heutigen Zeitpunkt an die erste Zeit im Beruf und dabei vor allem an die IT zurückdenken, was fällt Ihnen ein?

Ich denke vor allem an R/2. Und daran, wie wir damals versucht haben, unser Materialmanagement anständig abzubilden, etwa abgestufte Stücklisten ins System zu bekommen.

Der Unterschied zur Arbeitswelt heute?

Die Schlagzahl hat sich erhöht. Manchmal haben wir gar nicht mehr die Zeit für Meilensteine, wir werden von den Entwicklungen in der Praxis überholt. Gesetzgebung, Technologie, alles wird schneller, und wir in den Fachabteilungen müssen innerhalb von ein paar Wochen komplett neue Prozesse aufsetzen, umsetzen und an unsere Kollegen verständig kommunizieren. Diese Prozesse müssen betrachtet werden und gleichzeitig ist es künftig dringend notwendig, ein komplexes Netzdenken umzusetzen. Die Intelligenz, diese Netze flexibel und agil zu knüpfen, wird entscheidend sein.

Und wie sehen Sie Ihre Rolle als Frau dabei?

Ich sehe hier nicht nur mich alleine. Sondern alle Frauen in diesen so genannten Männerdomänen. Ich halte es immer noch für schwierig, als Frau in den klassischen „Männerberufen“ zu arbeiten, und ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, Frauen müssen nach wie vor mehr leisten – auch wenn der Job derselbe ist. Deshalb habe ich auch die größte Hochachtung, und dies ganz unabhängig von Inhalten, vor Frauen wie Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), oder unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie haben es geschafft, sich als Frau ihren Platz in der Weltpolitik zu erarbeiten, in den von Männern geführten „Cliquen“ eine nicht mehr wegdenkbare Größe zu sein.

Barbara Schmücking, DSAG-Arbeitskreis-Sprecherin Krankenhaus

Wenn wir uns die DSAG einmal genauer ansehen: Welches Bild sehen Sie hier?

Leider nicht das, was ich gerne sehen würde. Ich wünsche mir eine oder am besten gleich mehrere Frauen im Vorstand, und zwar nicht für das Thema Finanzen, sondern für die großen, die übergreifenden Themen, die bisher wohl nur Männer bearbeiten dürfen.

Und wenn Sie Richtung SAP schauen?

Hier gibt es nicht mal eine Frau im Vorstand. Und wenn man bei den Konferenzen und Keynotes genauer hinsieht, ist eine Frau zwar meistens mit auf der Bühne – aber das nur, um den präsentierenden Herren beim Weiterklicken seiner Folien zu unterstützen oder Teilfunktionen vorzustellen.

Frauen in den Ingenieurswissenschaften

In Deutschland gibt es 1,756 Millio­nen Ingenieure
Frauen machen aktuell 18 Prozent oder 312.900 Personen aller erwerbstätigen Ingenieure in Deutschland aus (zum Vergleich: 2005: 205.000)
23 Prozent aller Studierenden, die im Wintersemester 2017/2018 in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach eingeschrieben waren, waren junge Frauen2

Quelle: https://www.ingenieur.de/karriere/arbeitsleben/frauen-­erobern-den-ingenieurberuf/; letzter Zugriff: 02.11.2018

Was fordern Sie vor diesem Hintergrund?

Mindestens eine Frau im SAP-Vorstand. Ich bin zwar gegen Quoten, denn mit Zwang hat sich noch nie etwas zum Guten gewandt. Ich weiß, auch Männer mauscheln und Kumpanei gibt es überall, aber dennoch: Es muss andere Wege geben für Frauen, sich in der Welt zu behaupten. Denn eines ist gewiss: Unsere Welt ist sicher keine Männerwelt, dafür sind Frauen als Know-how-Trägerinnen und Wirtschaftsfaktor inzwischen viel zu wichtig geworden. Deshalb ist es wichtig, durch Kompetenz aufzufallen und nicht weiter nur das Anhängsel erfolgreicher Männer zu sein. Die sollen ihre Klicker selbst bedienen. Grundsätzlich ist es für Frauen heutzutage immer noch schwer, in diese Männernetze „einzudringen“, da diese noch zu häufig geschlossene Systeme sind.

Länder mit dem geringsten Gender Pay Gap in der IT-Branche
Quelle: https://de.statista.com/infografik/13283/frauen-in-der-tech-branche/; letzter Zugriff: 04.11.2018

Wo gibt es Ihrer Meinung nach Unterschiede im Arbeitsalltag und in der Arbeitsweise zwischen Männern und Frauen?

Erstens in der Ansprache. Man kann als Frau noch so gut ausgebildet sein, und findet dennoch E-Mails mit folgendem Wortlaut in der Inbox: „Bitte ausdrucken und zur Unterschrift vorlegen“. Wem das einmal passiert ist, der fühlt sich herabgesetzt und zweifelt auch in den Mittzwanzigern des 21. Jahrhunderts an Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass Frauen anders arbeiten, oftmals weniger selbstzentriert. Die Lösungsansätze sind breiter und weiter gedacht. Frauen schauen mehr nach links und rechts und lassen Erfahrungen aus ihrem Alltag in ihre Arbeitsweise einfließen. Das führt dazu, dass einfache und effektive statt komplizierte Lösungen gefunden werden – und seltsamerweise, oder eher logischerweise, landen Männerfragen am Ende oft bei Frauen.

Was möchten Sie Frauen für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Glaubt an euch, bleibt authentisch und habt Vertrauen in eure Fähigkeiten, denn die kann euch niemand nehmen! Eine ganz besondere Stärke sehe ich bei vielen Frauen auch im Umfeld von Finanzen und Investitionen: Damit hatten Frauen jahrhundertelang zu tun, schließlich mussten sie den Haushalt und die Familie auch oft mit finanziell limitierten Ressourcen über Wasser halten. Es gibt einen reichen Erfahrungsschatz. Und der zahlt sich heute aus, denn viele Ideen und Vorhaben von Frauen sind um einiges schlauer durchdacht und umgesetzt als Vorhaben, die allein von Männern realisiert wurden.

Barbara Schmücking

  • Jahrgang 1958, Studium Maschinenbau
  • Tätigkeit als Konstrukteurin und Statikerin
  • 1986 „Umzug“ aus der DDR in die BRD
  • Studium Yogawissenschaften, Studium Wirtschaftswissenschaften
  • seit fast 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig

Wenn es nicht die IT geworden wäre, was würden Sie dann heute arbeiten?

Eventuell hätte ich mich einer kreativen, handwerklichen Arbeit zugewandt. Malen und Nähen sind zwei Beschäftigungen, die mir nach wie vor viel Freude bereiten in meiner Freizeit, auch wenn das jetzt für viele wahrscheinlich zwei typische Frauendinge sind – bis auf Island, da stricken eher die Männer. Aber ehrlich gesagt: Ich würde viel lieber genau dasselbe noch mal lernen und studieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Bildnachweis: DSAG


0 Kommentar(e)
5
(2) Bewerten Sie diesen Artikel

1-19

Aktuelles

Das könnte Sie auch interessieren

Mitgliedermagazin
blaupause

Als DSAG-Mitglied erhalten Sie automatisch Zugang zum DSAG-Mitgliedermagazin blaupause. Ob in gedruckter Form und/oder als Online-Ausgabe. Legen Sie es ganz einfach selbst in Ihrem Mitgliederprofil im DSAGNet fest.

Zum Mitgliedermagazin