Eine einheitliche Plattform, um vorhandene SAP-Workloads, wie z. B. SAP Data Hub, vor Ort bereitzustellen und zu verwalten, und die Möglichkeit, gleichzeitig weitere Dienste in der Cloud zu nutzen und einen Mehrwert aus diesen Umgebungen zu ziehen? Das ist der KAESER Kompressoren SE mit der Entscheidung für die Google Cloud gelungen. Ob als Infrastructure-as-a-Service oder als Platform-as-a-Service: Für den Anbieter von Druckluftprodukten und -dienstleistungen ist die Google Cloud Platform gesetzt.

Falko Lameter, Chief Information Officer bei der KAESER Kompressoren SE

Schon 2018 ist KAESER einen großen Schritt in die Google Cloud gegangen. Damals hat der Marktführer für Kompressoren alle Mail-, Kalender- und Office-Anwendungen der rund 7.000 Mitarbeitenden weltweit auf den Google Workspace (ehemals: Google GSuite) verlagert. Dieser bündelt in der Public Cloud Software-Werkzeuge, welche die Teamarbeit verbessern und dabei dem Familienunternehmen mit Hauptsitz in Coburg helfen sollen, dass die Mitarbeitenden noch produktiver sind.

Doch damit nicht genug, denn: KAESER ist ein weltweit agierendes Unternehmen mit Kunden in 100 und Niederlassungen in 50 Ländern, das auf ein zentrales IT-System mit S/4HANA als Kern setzt. „Gleichzeitig haben wir eine global tätige Vertriebs- und Serviceorganisation. IT-seitig war es uns deshalb wichtig, die benötigten Prozesse bestmöglich zu unterstützen“, erläutert Falko Lameter, CIO bei KAESER. Daher setzt das Unternehmen stark auf Cloud-Lösungen, wie z. B. die Sales und Service Cloud von SAP, und betreibt auch sein Business-Warehouse in der Google Cloud. „Unser Ziel ist es, unsere SAP-Landschaft, die bisher On-Premise war, komplett auf die Google Cloud Platform zu migrieren – einschließlich des produktiven SAP-Enterprise-Warehouse-Managements und S/4HANA“, fasst der IT-Experte die Zielsetzung des Gangs in die Cloud zusammen.

Mit einer Exportquote von mehr als 70 Prozent ist die KAESER Kompressoren SE einer der größten Kompressorenhersteller Europas.
Höhere Komplexität in der Cloud

Den Weg in die Google Cloud hat das Unternehmen geebnet, indem es zunächst die weniger komplexen SAP-Lösungen wie den Solution Manager migriert hat. „Wir haben erst einmal ‚geübt‘, um den Migrationsprozess kennenzulernen. Deshalb haben wir zunächst Systeme mit wenigen Benutzern migriert, die nur eine geringe Anzahl an Verbindungen in andere Systeme haben“, erinnert sich Jürgen Thauer, Head of Infrastructure bei KAESER. Dieses Vorgehen ist insbesondere für eine komplexe Landschaft mit vielen Schnittstellen empfehlenswert, welche die ganze Zeit produktiv laufen muss.

Des Weiteren sind die Experten auch deshalb von dem gewählten Prozess überzeugt, weil in der Cloud Themen warteten, die z. B. die Firewall betrafen oder Portfreischaltungen zwischen Systemen. „Je komplexer ein System ist, je mehr Querverbindungen es gibt, desto wichtiger werden diese Punkte“, erläutert Jürgen Thauer. Bei KAESER galt es, diese Themen für eine große SAP-Landschaft zu denken, die aus insgesamt elf Einzelsystemen besteht, in denen jeweils wiederum 28 SAP-Systeme liegen. „On-Premise hat man diese Komplexität nicht. Insbesondere die Firewall-Regeln müssen übersichtlich und effizient gestaltet sein, damit alles funktioniert und überschaubar bleibt“, beschreibt Jürgen Thauer eine Herausforderung. Ist das jedoch erst einmal geschafft, ist die Migration in die Cloud mehr oder weniger ein Standardprozess. „Wenn alles vorbereitet ist und die Rahmenbedingungen stehen, dauert die Übernahme eines Systems in die Cloud nicht mehr als ein bis zwei Stunden“, erläutert Falko Lameter. Dadurch kann sich das Team ruhigen Gewissens einer weiteren Herausforderung stellen: In der SAP-Landschaft von KAESER sind kontinuierliche Update-Projekte im Gang, die eng mit externen Partnern abgestimmt sind. Durch die standardisierte Abwicklung konnte die Migration in die Cloud auch in den straffsten Terminplan erfolgreich als Teilschritt integriert werden.

Virtuelle Maschinen im Einsatz
Jürgen Thauer, Head of Infrastructure bei der KAESER Kompressoren SE

Reizvoll an der Google Cloud Platform fanden die IT-Experten, dass virtuelle Maschinen zur Verfügung gestellt werden, auf denen die SAP-Server installiert werden. „Für unsere SAP-Basisgruppe hat sich dementsprechend nichts geändert. Die SAP-Systeme laufen einfach nicht mehr in unseren Rechenzentren, sondern auf virtuellen Maschinen von Google“, ordnet der CIO ein. Das gleiche Team, das die Applikationslandschaft auch On-Premise betrieben hat, migriert und betreibt sie jetzt in der Cloud. „Das ist ein großer Vorteil, denn sie kennen die Landschaft. Doch natürlich ergaben sich mit der Cloud auch komplett neue Fragestellungen“, sagt Jürgen Thauer. Dazu zählt: Wie betreibe ich ein SAP-System technisch überhaupt in der Cloud? Was wird in der Cloud supported? Was darf der einzelne Mitarbeitende tun? Um genau solche Fragen für die Migration zu klären, stellte Google dem Unternehmen für einen Zeitraum von etwa sechs Wochen Experten zur Seite.

 

Und der Nutzen, den eine solche Migration von SAP-Lösungen in die Google Cloud bringt? Der ist aus Sicht der Experten vor allem im Bereich des Business-Warehouse und der Reportings zu sehen. Hier machen sich insbesondere für den Fachbereich Performance-Verbesserungen bemerkbar. „Eine ‚Sanduhr-freie‘ Eingabe ist schon ein Pluspunkt für die Fachbereichskollegen. Aus IT-Sicht ist ein weiterer Nutzen, dass die Prozesse beim System-Management schneller werden, sprich ein Back-up oder das Laden von Daten funktioniert mit höherer Geschwindigkeit“, erläutert Falko Lameter.

Sicherheitsbedenken hatte das Unternehmen vor dem Gang in die Cloud übrigens nicht, eher im Gegenteil: Die Google-eigenen Rechenzentren punkten bei den Experten hinsichtlich der Verfügbarkeit und technischen Sicherheit. Gleichzeitig lässt sich ein Desaster-Recovery-Rechenzentrum in der Cloud relativ einfach und kostengünstig realisieren. „Da die Infrastruktur komplett aus virtuellen Maschinen besteht und im Moment bei Google in Frankfurt läuft, kann ich ein Desaster-Szenario einfach in einem anderen Rechenzentrum von Google aufsetzen – z. B. in den Niederlanden“, sagt Jürgen Thauer und ergänzt: „Wir können dann relativ schnell unsere Landschaft mit den vielen Einzel-Servern in einer anderen Region wiederherstellen.“ On-Premise sei das in dieser Form nicht möglich.

KAESER Kompressoren SE

Das Familienunternehmen mit Hauptsitz im oberfränkischen Coburg ist sowohl Hersteller als auch Anbieter von Produkten und Dienstleistungen rund um das Thema Druckluft. Dazu zählen Drucklufterzeugung, Druckluftaufbereitung sowie Druckluftverteilung. Mit einer Exportquote von mehr als 70 Prozent ist die KAESER Kompressoren SE einer der größten Kompressorenhersteller Europas. Für das 1919 gegründete Unternehmen erwirtschafteten im Jahr 2019 weltweit rund 7.000 Mitarbeitende einen Umsatz von über 1 Mrd. Euro.

kaeser.de
Big Data in der Cloud

Doch nicht nur im Bereich Infrastructure-as-a-Service ist die Google Cloud gesetzt. Seit mehr als zwei Jahren betreibt KAESER auch die Lösung SAP Data Hub auf Google Kubernetes Engine und Anthos (siehe Glossar). Durch SAP Data Hub in der Multi-Cloud ist KAESER in der Lage, riesige Mengen an Kompressor-Betriebsdaten inklusive Internet-of-Things-Daten zu sammeln und auszuwerten. „Das hilft uns unter anderem dabei, Service-Zyklen oder das Thema Predictive Maintenance zu optimieren“, erläutert Falko Lameter. Gleichzeitig können die Betriebsdaten für unterschiedliche Zwecke in einen Kontext gestellt werden, z. B. mit Kundendaten, Supply-Chain-Management-Informationen und Maschinendaten.

Für das 1919 gegründete Unternehmen erwirtschafteten im Jahr 2019 weltweit rund 7.000 Mitarbeitende einen Umsatz von über 1 Mrd. Euro.

Um bessere Erkenntnisse aus Daten zu gewinnen, wusste das Unternehmen, dass es fortschrittliches maschinelles Lernen und Datenanalyse in alle seine Anwendungen integrieren musste. Für das Angebot von Google hat sich das Unternehmen vor allem aus folgenden Gründen entschieden, erinnert sich Falko Lameter: „Es bietet die Flexibilität, die Legacy-Anwendung schrittweise und ohne Geschäftsunterbrechung vor Ort zu modernisieren, während es gleichzeitig ermöglicht, andere Anwendungen auf Anthos in der Google Cloud auszuführen und die Vorteile der Managed Data Analytics und Machine-Learning- bzw. Künstliche-Intelligenz-Services zu nutzen.“ Insbesondere, dass Unternehmen bei Anthos die Möglichkeit haben, die Daten in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum zu speichern, hat die Experten überzeugt. „Bei Big Data wollten wir die Möglichkeit haben, alles in unserem eigenen Rechenzentrum zu speichern, was möglicherweise günstiger wäre. Gleichzeitig können wir unsere Software einheitlich managen. Diese hohe Flexibilität ist ein großer Vorteil“, so der CIO. Zwar kann aktuell noch nicht jede Software auf Google Kubernetes Engine und Anthos installiert werden, doch das soll sich künftig ändern. „Wir gehen davon aus, dass wir mit diesem Multi-Cloud-Ansatz die Weichen für unsere Zukunft in der Cloud gestellt haben“, ordnet Falko Lameter ein

Agil in die Zukunft

Auch für andere Unternehmen, die ihre SAP-Lösungen in die Cloud bringen wollen, haben die Experten einen Tipp: „Eine klare Zielvorstellung ist wichtig, wie die Landschaft in der Cloud aussehen soll. Das kann dann auch bedeuten, dass man seine Landschaft zunächst konsolidieren muss.“ Ist der Status erst einmal erfasst, sollte man sich einen Plan für den Weg in die Cloud machen. Der sollte allerdings in jedem Fall agil sein. „Man kann nicht einmal etwas planen und hoffen, dass es auch in drei Jahren noch gültig ist“, ist sich Falko Lameter sicher. Viel wichtiger sei es, sich so aufzustellen, dass man immer wieder agil auf die neuesten Entwicklungen reagieren und neueste Technologien implementieren kann. Und genau hier sieht sich KAESER für die Zukunft bestens aufgestellt.

Glossar

SAP Data Hub
Der SAP Data Hub ist die zentrale Plattform für das Data-Management, das Big Data und Unternehmensdaten zusammenführt. Die Integration, die Verwaltung der Datenverarbeitung sowie das Management der Metadaten zugunsten einer wirksamen Governance können im SAP Data Hub erfolgen, ohne dass dafür ein Datenzentrallager erforderlich ist.

Google Kubernetes Engine
Die Google Kubernetes Engine (GKE) ist ein Management- und Orchestrierungs-System für Docker-Container und Container-Cluster, die auf Googles Public-Cloud-Diensten ausgeführt werden.

Google Anthos
Anthos ist eine Anwendungsplattform, die einheitliche Entwicklungsprozesse und Abläufe in Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen ermöglichen soll.

Bildnachweis: Kaeser Kompressoren SE, Daniella Winkler + iStock

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