Der SAP BEx Web Application Designer wurde schon seit längerem angezählt. Bald wird er endgültig den K.o. hinnehmen müssen. Neuer Meister aller Klassen ist das SAP BusinessObjects Design Studio. Seine Schlagkraft in puncto Web und Mobility ist schon beachtlich. An der funktionalen Fußarbeit werden SAP und DSAG noch weiter arbeiten. Das SAP BusinessObjects Design Studio 1.0 ist seit November 2012 generell verfügbar.

„Time to say goodbye“, so heißt es me­dien­wirksam, wenn z.B. erfolgreiche Profi-Boxer zum letzten Mal, vorzugsweise aufrecht, den Ring verlassen. Was als Abgesang bei dem einen oder anderen Sportfan Wehmut aufkommen lässt, löst in Bezug auf den SAP BEx Web Application Designer bei Software-Designern und Anwendern eher Erleichterung aus. Es war ein langer Kampf, um im Bild zu bleiben, bei dem das am meisten genutzte BI-Frontend auf dem SAP NetWeaver Business Warehouse (BW) letztlich den technischen K.o. bald hinnehmen muss.        

Dass sich der Abschied des Tools, mit dem sich interaktive Web-Templates auf der Grundlage der BW OLAP Engine (Online Analytical Processing) gestalten lassen, in die Länge zieht, hat seine Gründe. „Nach der Übernahme von Business Objects gab es einen Plan, um Bestandssoftware wie den SAP BEx Web Application Designer und Tools wie den SAP BEx Analyzer durch BusinessObjects-Produkte abzulösen. Letztendlich erforderten die SAP-spezifischen Funktionen und Möglichkeiten des BW-Back­ends und die rasant fortschreitende Revolution durch mobile Endgeräte die komplette Neuentwicklung eines Applikations- und Dashboard-Design-Tools“, erklärt Eric Sche­mer, Senior Director Product Management Analysis Clients bei der SAP AG.

Dass sich der Abschied des Tools, mit dem sich interaktive Web-Templates auf der Grundlage der BW OLAP Engine (Online Analytical Processing) gestalten lassen, in die Länge zieht, hat seine Gründe. „Nach der Übernahme von Business Objects gab es einen Plan

Fühlten sich die DSAG-Anwender zunächst noch als Sparringspartner, wurden sie dann bei der Konzeption und Entwicklung des neuen Tools von SAP aktiv ins Boot geholt. Anfänglich war die Verunsicherung unter den DSAG-Mitgliedern erst einmal groß. Was passiert mit meinen getätigten Investitionen in das BW und den SAP BEx Web Application Designer? Wie werden die unterschiedlichen Produkte zu­sam­menwachsen? Welche der neuen Tools machen für mich Sinn, welche nicht? Fehlen­de Antworten auf diese Fragen förderten den Investitionsstau, der nun mit dem komplett neuen SAP BusinessObjects Design Studio (Projektname ZEN) aufgelöst werden soll.

An das Web- und Mobility- Zeitalter angepasst

Gebündelt wurden die offenen Fragen bei der DSAG, die daraufhin bei SAP anregte, doch eine spezifische Themengruppe zu grün­den. „Es folgten regelmäßige Treffen und Workshops, in denen das Thema von A bis Z aufgerollt und durchgespielt wurde“, erläutert Eric Schemer. Die Bedeutung des Themas für beide Seiten wurde außerdem dadurch unterstrichen, dass das weitere Vorgehen in Sachen Design Studio auf Vorstandsebene von SAP und DSAG abgestimmt wurde. Ein zentraler Punkt für DSAG-Mitglieder war z.B. der native Zugriff auf die BW-Daten und die kompromisslose Unterstützung der Hierarchie-Funktionalitäten des BW. Ein anderer die Integration zwischen Design Studio und Analysis Office. Gute Nachrichten! Beide Funk­tionalitäten sind Bestandteil der Version 1.0 des SAP BusinessObjects Design Studios. „Was die Lösung so interessant macht, ist die Tatsache, dass sie komplett für die Anwendungsfälle des BW entwickelt wurde. Damit kann das Design Studio alle Analysefunktionalitäten des BW verarbeiten. Zudem wurde der Datentransfer auf die Anforderungen des Web- und Mobility-Zeitalters angepasst“, fasst Eric Schemer zusammen. 

Intuitive Layout-Optionen nach dem WYSIWYG-Design-Prinzip

Wer diese Vorteile aktuell (noch) nicht benötigt, hat keinen zeitlichen Zwang, auf das Design Studio umzusteigen. Nach der Über­nahme von Business Objects wurde beschlos­sen, den SAP BEx Web Application Designer in die Wartung (Maintenance) zu überführen. Das bedeutet, das Tool wird weiterhin ausgeliefert und mit jedem neuen BW-Release verlängert sich die Wartung und damit der Investitionsschutz. Doch mit einer entscheidenden Einschränkung: „Das trifft nur auf Versionen BEx 7.X zu. Die ebenfalls noch von Kunden verwendete Version BEx 3.5 ist an die Wartung des BW 3.5 gekoppelt und wird folglich damit zeitgleich aus der Wartung laufen“, konkretisiert Eric Schemer.

Wer diese Vorteile aktuell (noch) nicht benötigt, hat keinen zeitlichen Zwang, auf das Design Studio umzusteigen. Nach der Über­nahme von Business Objects wurde beschlos­sen, den SAP BEx Web Application Designer in die Wartung (Maintenance) zu überführen.

Design Studio kann HANA – muss aber nicht

Wenn nicht der zeitliche Aspekt, dann sind es vielleicht technologische Überlegun­gen, die mit einer Investition in das Design Studio einhergehen können. So erhebt sich in diesen Tagen bei einem neuen SAP-Produkt wie dem Design Studio fast schon automatisch die Frage nach der Verbindung zu SAP HANA. Aus Sicht der SAP-BEx-Web-Application-Designer-Kunden lassen sich in dem Zusammenhang im Bereich Business Intelligence drei Szenarien aufzeigen: 

  • BW klassisch ohne HANA,
  • HANA als Datenbank unter dem BW,
  • HANA als eigenständige BI-Lösung unabhängig vom BW. 

Für jedes dieser Szenarien ist das Design Studio konzipiert und optimiert. Wer also den Designer erst einmal mit dem Business Warehouse nutzen und erst später auf eine HANA-Strategie umsteigen möchte, kann dies ohne Weiteres tun. „HANA ist keine Voraussetzung für das Design Studio, aber na­türlich bringt es spürbare Vorteile in Bezug auf die Leistung des Tools“, erläutert Eric Schemer. Bis eine Entscheidung pro oder contra HANA bei den Anwendern jedoch spruch­reif wird, vergeht wohl noch etwas Zeit. Einige Kunden werden vielleicht erst in einer hybriden Welt leben, indem sie BW und HANA nebeneinander betreiben.

Design-Komponenten unterstützen Entwickler

Ein wichtiger Nutzen neben der stark verbesserten Usability ist die Möglichkeit, einzelne Szenarien auf mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets zu übertragen. „Ein angemessenes ‚look and feel‘ ist dabei für die Anwender besonders wichtig“, erläutert Jie Deng, Product Management Ana­lysis Clients & Design Studio, bei der SAP AG. Um die einfache Handhabung zu erreichen, können Grafikdesigner u.a. voreingestellte Layout-Templates nutzen. Anhand dieser Templates lässt sich dann eine iPad-Appli­kation mit wenigen Schritten aufbauen. „Es müssen nur noch die Datenquelle definiert und einige wenige Einstellungen vorgenommen werden, und die Applikation ist funk­tions­fähig“, beschreibt Jie Deng den Vorgang. Ein umfangreiches Set an Design-Kom­ponenten wie beispielsweise Charts, Pivot-Tabellen, Buttons, Tabs und Dropdown-Menüs unterstützt den Entwickler dabei. 

Jie Deng, SAP AG
Jie Deng, SAP AG

Zudem ermöglicht es die Eclipse-basierte Designumgebung per What-you-see-is-what-you-get (WYSIWYG), sofort das Endresultat einer Bildschirmkreation überprüfen zu kön­nen. Außerdem lässt sich z. B. über das Analysis Office in Microsoft Excel eine Daten­­analyse durchführen und die gewonnenen Informationen einfach per „kopieren und ein­fügen“ ins Design Studio übertragen.

„Ein angemessenes ‚look and feel‘ ist für die Anwender besonders wichtig."
Jie Deng
Pridukt Management Analysis & Clients & Design Studio SAP AG

 Anhand dieses Beispiels wagt Eric Schemer schon mal über das aktuelle 1.0-Release hinaus den Blick in die Zukunft. „Mittelfristig arbei­ten wir daran, eine komplette Anwendung in Excel zu erstellen, inklusive Layout mit den entsprechenden Chart-Typen, um diese dann in eine Design-Studio-Anwendung zu konvertieren.“ Bis dahin bietet die aktuelle Version erst einmal genug Potenzial – und g durch die Kombination mit der Business-Intelligence-Plattform konkreten Mehrwert. So setzt die Lösung auf der Business-Intelligence-Plattform BI 4 auf und es lassen sich beliebig viele Systeme anschließen, auch „gemischt“ mit BW und HANA. Für die Zukunft sind weitere Installationsoptionen geplant, insbesondere für den nativen Betrieb des Clients auf der HANA-Plattform, sowie eine NetWeaver-Entwicklung für den direkten Betrieb der Lösung auf einem spezifischen BW-Backend. „Um den vollen Funktions­um­fang des Produkts nutzen zu können, inklusive Anschluss an verschiedene Datenquellen sowie die Integration nach SAP BusinessObjects Mobile, empfiehlt sich in den meisten Fällen die Installation auf der SAP-BI-Plattform“, ergänzt Eric Schemer.

Qualität geht vor Funktionsumfang

Mit den Funktionalitäten der Version 1.0 ist die Arbeit am Design Studio noch lange nicht abgeschlossen. „Als Kunde darf ich nicht erwarten, das Produkt zu installieren und dann eine Woche später den SAP BEx Web Application Designer abzulösen. Es wird noch etwas dauern, bis wir in puncto Funktionsumfang das Stadium erreicht haben, das wir nach zehn Jahren mit dem Vorgängerprodukt vorweisen konnten“, gibt Eric Schemer einen Ausblick. Noch ist das Design Studio eher eine Ergänzung, aber durchaus geeignet, um besonders den Anforderungen mobiler Prozesse und internetbasierter Abläufe der BW-Anwender zu genügen. Darüber hinaus bietet das Feedback aus dem größten Test einer Beta-Version in der SAP-Geschichte genug Ansatzpunkte, um nach und nach gemeinsam mit dem Arbeitskreis Business Intelligence & Corporate Performance Management (BI & CPM) das SAP BusinessObjects Design Studio weiterzuentwickeln. Damit so bald wie möglich Funktionalität und Qualität gemeinsam im Ring stehen und den Anwen­dern grafische Punktsiege erzielen lassen. 

Bildnachweis: SAP


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